Man kann sich kaum satthören (Heilbronner Stimme)

Heil­bronn - Ach, schon vorbei? Ei­gent­lich schade. Denn der Junge Kam­mer­chor Rhein-Neckar be­sitzt eine sel­tene Qua­lität - man kann sich an ihm kaum satt­hören. Kein Wunder also, dass die auf­ge­weckten jungen Stimmen unter der Lei­tung von Ma­thias Ri­ckert be­reits zum dritten Mal zu Gast in der Heil­bronner Ki­lians­kirche sind. Wärme und Kraft, Prä­zi­sion und Trans­pa­renz sind un­ab­ding­bare Kar­di­nal­tu­genden für Pflicht­stücke wie das un­ver­wüst­liche „Abend­lied“ von Josef Ga­briel Rhein­berger oder die af­fek­treiche Text­ar­beit bei Scheins Mo­tette „Die mit Tränen säen“. Seine wahre Reife be­weist der junge Chor je­doch mit Werken, die sich mehr oder we­niger im sti­lis­ti­schen Fahr­wasser von Arvo Pärt be­wegen.


Lange Ah­nen­reihe Mit „Which was the son of...“ kommt zu­erst der Meister selbst zu Wort. Hier wird die lange Ah­nen­reihe des Josef mal mit block­artig per­mu­tierten Spi­ri­tual-Ak­korden, mal mit flä­chig ver­zahnten Li­nien auf­ge­zählt, sou­verän ge­staltet in stoi­scher Block­haf­tig­keit und dy­na­misch be­zwin­gender Stei­ge­rung.Kon­zen­triert ent­falten sich Spalt­klänge und spar­samer Ma­te­ri­al­ein­satz in „Be­ne­di­ca­mus“ von Urmas Si­sask (1960), sein „Lau­date Do­mi­num“ gibt den Män­ner­stimmen richtig kniff­lige Auf­gaben durch un­ge­wohnte rhyth­mi­sche Ak­zen­tu­ie­rungen. Pul­sie­rende Echo­ef­fekte er­zeugt der Chor in „Lux au­rum­que“ von Eric Whi­tacre, wäh­rend sich im aus­la­denden Psalm 139 des schwe-di­schen Li­geti-Schü­lers Sven-David Sand­ström kris­tal­line Trenn­schärfe des Klang­bilds mit ein­fühl­samer Me­lodik er­gänzt.


Schwe­bend leicht Sand­ströms ei­gen­wil­liger Um­gang mit to­naler Har­monik scheut sich am Schluss nicht vor schwe­bend leicht ge­führten Bögen der Frau­en­stimmen, die der er­leuch­teten Nacht Aus­druck ver­leihen.


Me­di­da­tiver Kern Etwas sch­lichter in den kom­po­si­to­ri­schen Mit­teln, aber nicht we­niger schön aus­ge­sungen er­scheint die Ver­to­nung des ma­ria­ni­schen „Tota pulchra es“ von Ola Gjeilo (1978). Richtig Be­we­gung kommt ab­schlie­ßend noch einmal mit dem Spi­ri­tual „My soul's been an­chored in the Lord“, die iri­sche Zu­gabe erin­nert an in­nige Chor­sätze von Gu­stav Holst und weist auf den me­di­ta­tiven Kern des Pro­gramms zu­rück.