Klangperlen funkelten von Nord nach Süd (Rhein-Neckar-Zeitung)

Deutsch-ita­lie­ni­sches Kam­mer­chor­kon­zert in der Stifts­kirche Mos­bach hob skan­di­na­vi­sche Kir­chen­schätze – Fas­zi­nierte Zu­hörer

Mos­bach. „Die Ita­li­ener fangen an“, hieß es am Sams­tag­abend in der mit meh­reren Hun­dert Zu­hö­rern gut ge­füllten Stifts­kirche zum Be­ginn des Doppel-Kam­mer­chor­kon­zerts, zu dem das Evan­ge­li­sche Be­zirks­kan­torat ein­ge­laden hatte. Ein Fin­ger­zeig von Di­ri­gent Da­vide Lo­ren­zato ge­nügte, und die 25 Sän­ge­rinnen und Sänger von „Con­centus Clivi“ aus Trento hoben ihre No­ten­blätter empor. Eine wei­tere Be­we­gung, und ein sphä­ri­sches „Kyrie elei­son“ er­füllte den Raum.
Nu­an­cen­reich, feinst aus­ba­lan­ciert, von hoher Text­ver­ständ­lich­keit ge­prägt und gleich­wohl voller Spi­ri­tua­lität er­klang Josef Ga­briel Rhein­ber­gers (1839-1901) „Cantus missae“ Es-Dur, op. 109. Die dunklen Män­ner­stimmen ver­halfen dem „Credo“ zu klös­ter­li­cher Note. Hell über­strahlten die Frau­en­stimmen das Glau­bens­be­kenntnis.
Die mu­si­ka­li­sche Dua­lität wusste der Di­ri­gent zu einer har­mo­ni­schen Ein­heit zu über­führen. Mit flie­ßenden, gleich­wohl ex­akten Be­we­gungen steu­erte Da­vide Lo­ren­zato die Stimmen genau aus. Beim „Sanc­tus“ folgte dem Rufen die Ant­wort. Zart­heit und Kraft er­gänzten ein­ander, evo­zierten bei den Zu­hö­rern Er­grif­fen­heit und Kon­tem­pla­tion. Gol­dene Abend­stim­mung trans­por­tierte das „Be­ne­dic­tus“. Kein Wunder, dass der be­geis­terte Ap­plaus des Pu­bli­kums kaum enden wollte.
Zu­sammen mit dem „Jungen Kam­mer­chor Rhein-Neckar“ sangen die Ita­li­ener das von Lukas 24,29 in­spi­rierte „Abend­lied“ als im­po­santen Kanon. Mit fast schon ba­rocker Ex­pres­si­vität di­ri­gierte nun der in Mos­bach le­bende Ma­thias Ri­ckert. Einer wun­dersam-poe­ti­schen Abend­stim­mung hul­digte die Kom­po­si­tion von Wil­helm Pe­terson-Berger (1867-1942). Für wol­ken­schwere Träume und Blu­men­augen, die im Tau schwammen, fand der „Dop­pel­chor“ stim­mige Farben und Me­lo­die­bögen. Jo­hann Her­mann Scheins (1586-1630) Ver­to­nung von Psalm 126,5-6 „Die mit Tränen säen“ insze­nierte der „Junge Kam­mer­chor“ voller Strahl­kraft und Strin­genz.
Vom ba­rock-re­for­ma­to­ri­schen Kleinod zum schön fun­kelnden „Kris­tall“ des schwe­di­schen Zeit­ge­nossen Gunnar Eriksson (*1936) war es nur ein Flü­gel­schlag. Und doch wirkte hier das 20. Jahr hun­dert mys­ti­scher, sym­bo­lisch auf­ge­la­dener und dem Mit­tel­alter stärker ver­haftet. Urmas Si­sasks (*1960) „Be­ne­di­ca­mus“ prä­sen­tierten die Sän­ge­rinnen und Sänger in Dolby-Sur­round-Technik auf zwei Höre­benen.
Das reale Um­kreisen der Zu­hörer führte auch beim „Lau­date Do­mi­num“ zu einem Mehr an Schärfe, Plas­ti­zität und Di­rekt­heit. Ein ganz an­deres Got­teslob kre­i­erte der Finne Ja­akko Män­ty­järvi (*1963). Laut­ma­le­risch setzte er Psalm 150 in „Grand­sire Trip­les“ um. Die Rolle des tra­di­tio­nellen eng­li­schen Glo­cken­ge­läuts über­nahmen laut­ma­le­risch drei im Raum ver­teilte So­pra­nis­tinnen.
Kaum hatten sie ge­endet, er­klang pass­genau das reale Glo­cken­spiel vom nahen Rat­hau­sturm! Gunnar Eriks­sons Tanz-Wie­gen­lied „Gjen­dines bad­nlat“ stellte ein kunst­voll ge­floch­tenes Band
von Rhythmus und Me­lodie dar. Wie irr­lich­ternder El­fen­klang be­gann Lars Jans­sons (*1950) „Salve Re­gina“. Bald stei­gerten sich Tempo, Kon­kor­danz und Vo­lumen zu einem mitrei­ßenden Choral, der schließ­lich wieder sachte ver­ebbte.
Sven-David Sand­ströms (*1942) eng­lisch­spra­chige Ver­to­nung von Psalm 139 über­setzte der Junge Kam­mer­chor stimmig als ein an Emo­tionen rei­ches Zwie­ge­spräch mit Gott. Auf­wüh­lendem Fragen folgte die Ge­wiss­heit um Licht und Ge­leit. Jan Sand­ströms (*1954) sehr ge­tra­genes „Sanc­tus“ glie­derte der „Dop­pel­chor“ klar wie die Stufen einer breiten Treppe.
Die Zä­suren ließen Raum für das Ge­meinte, nicht in­Worte Fass­bare. Dem Ge­heimnis des Glau­bens spürte Morten Lau­rid­sens (*1943) gleich­na­mige Kom­po­si­tion nach. Stimm­stark und doch be­herrscht, vor­sichtig und doch be­herzt, ge­lang dem „Tan­dem­chor“ das Fi­nale.  Nicht enden wol­lender Ap­plaus und ste­hende Ova­tionen zeigten, wie sehr das Kon­zert die Mos­ba­cher Zu­hörer fas­zi­niert hatte.