Gesungene Motetten spenden Trost und Hilfe (Rhein-Neckar-Zeitung)

„Stan­ding Ova­ti­ons“ für die be­ein­dru­ckende Leis­tung des jungen Kam­mer­chors Rhein-Neckar in Bad Rap­penaus evan­ge­li­scher Stadt­kirche

Kraft, Trost und Hilfe sucht der Mensch in allen Zeiten bei Gott. Be­son­ders in Zeiten, in dem ihm seine ei­gene Ohn­macht of­fenbar wird - so auch beim Kon­zert des 2001 ge­grün­deten Jungen Kam­mer­chors Rhein-Neckar“ in der evan­ge­li­schen Stadt­kirche von Bad Rap­penau.

Nicht nur das Gebet, auch der geist­liche Chor­ge­sang drückt aus, was die Seele be­wegt. Das Kon­zert des Jungen Kam­mer­chors Rhein-Neckar" wurde höchsten An­sprü­chen an Aus­drucks­formen im geist­li­chen Chor­ge­sang ge­recht. Jesu meine Feude“, Mo­tetten von Trauer und Trös­tung, dazu ein­ge­bettet eine So­nate in D-Dur für Trom­pete (Gri­seldis Lichdi und an der Orgel Alex­ander Gü­tinger).

Der junge und sehr fä­hige Di­ri­gent Ma­thias Ri­ckert wid­mete das Kon­zert dem Ge­denken an seinen Groß­vater und bat, erst nach Ab­schluss aller Mu­sik­vor­träge zu ap­plau­dieren, aus Rück­sicht auf die Kon­zen­tra­tion der Sän­ge­rinnen und Sänger. Die be­wiesen ihre Klasse gleich zu An­fang mit einem Kom­po­nisten der Bach'schen Zei­te­poche des Ba­rock, Jo­hann Kuhnau, Tristis est anima mea“, eine Mo­tette zu fünf Stimmen, innig, herz­er­grei­fend, an gre­go­ria­ni­schen Chor­ge­sang erin­nernd.

Aus dem ganzen Rhein-Neckar-Raum kommen die der­zeit 17 Sän­ge­rinnen und Sänger. Die meisten stu­dieren Musik und oder stehen in einer Ge­sangs­aus­bil­dung. Nur so lässt sich auch die kon­ti­nu­ier­liche Aus­drucks­kraft er­klären, die stimm­lich und mental über das ganze Kon­zert hinweg kon­stant blieb.

Waren die meisten Kom­po­si­tionen dem 20. Jahr­hun­dert zu­zu­ordnen, war der Glanz­punkt des Abends aber si­cher­lich die in der Über­schrift des Kon­zertes schon deut­liche Ti­tu­lie­rung einer Mo­tette für einen Trau­er­got­tes­dienst, Jo­hann Se­bas­tian Bachs Jesu meine Freude.“ Dieser mehr­stim­mige A-ca­pella-Chor auf Psalmen und Bi­bel­worte for­derte die Aus­drucks­kraft der Stimmen, das fein nu­an­cierte Zu­sam­men­spiel, das kraft­voll zu­sam­men­ge­halten vom Di­ri­genten Ma­thias Ri­ckert mit dem Choral seinem Hö­he­punkt zu­strebte. Die alte go­ti­sche Stadt­kirche aus­ge­füllt von diesen glo­cken­klaren Stimmen, ließ mit ihrer At­mo­sphäre die Kraft der christ­li­chen Bot­schaft er­lebbar werden. Das ganze Kon­zert war ein Er­lebnis. Auch das von Knut Nys­tedts 1988 ge­schrie­bene Im­mortal Bach“ , ein Ar­ran­ge­ment des Bach-Cho­rals Komm süßer Tod“, für vier vier­stimmig ge­mischte Chöre. Dabei war auch Auf­stel­lung im Sei­ten­schiff ge­for­dert. Die daraus re­sul­tie­rende Akustik war be­son­ders ef­fekt­voll. Dieser letzte Vor­trag des Chores for­derte ganz ein­fach stan­ding ova­ti­ons“. Ob­wohl der Chor mit seiner kon­stant er­brachten Leis­tung Ruhe ver­dient hätte, gab's dann doch mit Let us meet again“ eine Zu­gabe.