Die Installation des Anwendungsprogramms ist leider etwas kniffliger als bei Zoom & co., da man nicht nur das Programm selbst installieren muss, sondern ggf. auch einen geeigneten Treiber für die Soundkarte. Dieser Text ist keine detaillierte Anleitung zum Installieren oder Verwenden von Jamulus – dazu gibt es viele nützliche Webseiten. Für Windows gibt es eine sehr detaillierte Anleitung des Kirchenkreises Hamm von Heiko Ittig, ansonsten hilft auch die Installationsanleitung von Joe Völker oder das Jamulus-Wiki weiter. Unter MacOS und Linux ist die Installation unserer Erfahrung nach etwas weniger knifflig.

Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass man die aktuellste Version installiert. Zum Zeitpunkt, als dieses Dokument entstand, kam gerade die Version 3.6.2 heraus, die viele Verbesserungen vor allem für Chöre bietet.

Da vor allem die Einstellungen des Soundkarten-Treibers ASIO4All unter Windows sehr knifflig sind, haben wir vor den Proben eine Technik-Sprechstunde eingerichtet, bei der wir den Sängerinnen und Sängern bei der Installation helfen. Dazu bietet sich ein Fernwartungsprogramm wie z.B. AnyDesk, TeamViewer o.ä. an. Wichtig: Während man an den Einstellungen der Soundkarte arbeitet, sollte man nicht gleichzeitig via Skype o.ä. auf dem selben Rechner mit der Person sprechen, sondern besser über ein zweites Gerät (z.B. Telefon).

Als Alternative zur Installation des Anwendungsprogramms kann man sich auch einen USB-Stick erstellen, von dem aus man das spezielle Betriebssystem JamulusOS starten kann, das auf Linux basiert. Dort hat man eventuell weniger Probleme mit der Einrichtung, da manche Hardware unter Linux besser funktioniert als unter Windows. Auch hat man hier garantiert keine Hintergrundprogramme, die die Latenz verschlechtern.

Wenn die Ein- und -Ausgabegeräte richtig konfiguriert sind, kann man die Einstellungen noch für niedrige Latenz optimieren. Ob dies möglich ist, hängt von der eigenen Hardware und der Internetverbindung ab (siehe nächster Abschnitt). Wenn möglich, sollte man auf jeden Fall eine Puffergröße von 64 Samples und kleine Netzwerkpuffern einstellen. Damit erreichen wir mit unserem Server Gesamtlatenzen von < 40 ms, womit man schon recht gut arbeiten kann. Auch wenn die 64 Samples anwählbar sind, führen sie bei manchen zu stotterndem Ton oder Verzerrungen. Dann sollte man wieder zurück auf 128 Samples gehen.

Nutzung von JACK statt ASIO4All unter Windows

Es gibt Geräte, die mit ASIO4All nicht richtig funktionieren. Nach unserer Erfahrung sind das vor allem Laptops mit Realtek-Soundchip, aber auch USB-Mikros wie das Superlux E431U (siehe Hardware-Empfehlungen). Die einfachste Lösung hierfür ist meist die Anschaffung von Hardware, die eigene ASIO-Treiber hat oder gut mit ASIO4All funktioniert. Es gibt jedoch auch eine Alternative zu ASIO4All, die in manchen Fällen helfen kann: Das JACK Audio Connection Kit. Benutzer von Linux, JamulusOS oder jambox-pi kennen es, denn dort ist es die Standardschnittstelle (statt ASIO unter Windows). Ob es auch unter Windows funktioniert, muss man im Einzelfall testen – es gibt auch Fälle, in denen es nur mit sehr viel höherer Latenz oder auch gar nicht funktioniert. Hier geben wir eine kleine Installationsanleitung für Windows.

Installation

  1. Installationsprogramm von der Webseite herunterladen, in den meisten Fällen den 64-bit-Installer.
  2. Jack installieren. Im Installationsprogramm JackRouter anwählen, Developer Resources abwählen.
  3. Möglicherweise kommt eine Fehlermeldung, dass eine DLL nicht registriert werden konnte. Diese kann man aber ignorieren.
  4. Falls alles geklappt hat, müsste das Konfigurationsprogramm QjackCtl im Startmenü von Windows auftauchen.

Konfiguration

Wie unter ASIO4All muß man mithilfe von QjackCtl die richtige Soundkarte auswählen. Jedoch startet man QjackCtl, bevor man Jamulus startet.

Nun kann man über »Setup« die Einstellungen öffnen:

Hier ist es wichtig, bei »Sample Rate« den Wert 48000 auszuwählen. Bei Frames/Period stellt man den Wert ein, den Jamulus später für die Puffergröße nimmt – in Jamulus selbst ist der dann nicht mehr änderbar. Standard sind 128, ideal sind 64, siehe oben. Die restlichen Einstellungen lässt man unverändert. Weiter geht es im Reiter »Advanced«:

Hier kann man die Audio-Geräte für Eingabe und Ausgabe wählen. In der Liste befinden sich sehr viele Einträge, in der die Geräte mehrfach mit unterschiedlichen vorangestellten Abkürzungen vorkommen. Zuerst sollte man die Einträge mit »Windows WDM-KS« (Kernel Streaming) ausprobieren, da diese die niedrigste Latenz bieten.

Danach speichert man die Einstellungen und startet JACK:

Wenn es klappt, ändert sich die Anzeige und sieht dann so aus:

Wenn es nicht klappen sollte, erhält man eine Fehlermeldung. Dann sollte man die Einstellungen nochmals anpassen (Frames/Period erhöhen, andere Geräte wählen).

Nun startet man Jamulus und öffnet die Einstellungen:

Bei Soundkarte/Gerät oben links wählt man nun statt »ASIO4All« den Eintrag »JackRouter« und belässt die Eingänge/Ausgänge auf In1/In2 und Out1/Out2.

Man muss nun ausprobieren, ob die Latenz erträglich ist. Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Latenz, die durch die Audio-Verarbeitung erzeugt wird, nicht in der Latenz enthalten ist, die bei Jamulus angezeigt wird. Man kann testen, indem man sich auf einen leeren Server verbindet, sich rechts im Mixer auf laut stellt, und schnippt. Wenn es eher wie Hall klingt, ist die Latenz erträglich, wenn es eher wie Echo klingt, also mit deutlicher Verzögerung, muss man möglicherweise andere Einstellungen ausprobieren.