Technische Probenmethodik

Bevor man Jamulus in einem Chor einführt, ist es sinnvoll, mit einer kleinen Gruppe aus dem Chor einen Test zu machen. Dazu kann man die »technikaffineren« unter den Sängerinnen und Sängern fragen. Wenn diese dann mit Jamulus vertraut sind, können sie dann später den anderen bei der Installation via Fernwartung helfen. Man sollte auf jeden Fall Termine ausmachen, um die technische Einrichtung vor der ersten Probe zu machen, sonst kommt man wegen der Technikprobleme möglicherweise gar nicht zum Proben. Dies kann ein frustrierendes Erlebnis sein, das die Akzeptanz für die Technologie im Chor sicher nicht vergrößert.

Wenn die Anwendungsprogramme soweit eingerichtet sind und alles funktioniert, muss man noch die Lautstärkeverteilung im Chor abstimmen. Der Vor- und Nachteil bei Jamulus ist, das jede/-r Sänger/-in die Lautstärke der anderen Stimmen für sich selbst mischen kann, aber eben auch muss. Dazu bietet Jamulus aber einige Hilfen an. Folgende Vorgehensweise hat sich für uns als praktisch erwiesen:

  • Jede/-r Sänger/-in sollte bei »Ansicht/Mein Profil« seinen echten Namen eintragen sowie bei »Instrument« sein/ihr Stimmfach. Dann kann jeder unter »Bearbeiten/Sortiere die Kanäle nach Instrument« die Teilnehmer nach Stimmfach sortieren.
  • Zu Beginn der Probe sollte man einen kleinen Soundcheck einplanen, bei dem alle Sänger/-innen nacheinander kurz einzeln etwas vorsingen, damit man die Lautstärke einschätzen kann, die je nach Mikrofon-Setup sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dann sollte jeder bei sich die gewünschte Lautstärke der anderen einstellen. Dabei hilft es, zuerst unter »Ansicht/Einstellungen« den Pegel für die neuen Teilnehmer auf 50 % zu setzen, und dann im Haupfenster unter »Bearbeiten« alle Regler auf diesen Wert zu setzen, und von dort aus die Lautstärke anzupassen.
  • Gerade bei hohen Stimmen kann es vorkommen, dass das Signal übersteuert (Ausschlag bis zum roten »Lämpchen«). Dies kann man nicht in Jamulus korrigieren. Wenn möglich, sollten die Sänger/-innen das Mikrofon weiter vom Mund entfernen und/oder in den Audio-Einstellungen des Betriebssystems den Eingangspegel verringern. (Hier eine Anleitung für Windows).
  • In den Einstellungen bei »Audiokanäle« sollte man »Mono-In/Stereo-Out« auswählen. Damit kann man dann mit dem Pan-Regler die anderen Sänger/-innen im Stereopanorama verteilen, also z.B. Soprane links, Bässe rechts.
  • Das Jamulus-Wiki gibt den wichtigen Hinweis »Höre nur auf das Signal vom Server!«: Damit alle rhytmisch zusammen sind, soll man nur auf sein eigenes, verzögertes Signal hören, da das dem entspricht, was alle anderen auch hören. Um keinen direkten Schall zu hören, braucht man geschlossene Kopfhörer, die den Außenschall möglichst gut isolieren. Weiterhin braucht es einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, die eigene Stimme mit Verzögerung zu hören und damit immer etwas vor dem Schlag mit dem Singen zu beginnen. (Organisten und Musiker, die auf großen Bühnen mit Verstärkung singen, müssen mit diesem Problem auch in Präsenz zurecht kommen.) Im (klassischen) Chor ist es unserer Erfahrung nach bei Jamulus nicht so tragisch; wenn man keine gut isolierenden Kopfhörer hat, und es zu verwirrend ist, die eigene Stimme doppelt zu hören, sollte man sich selbst im Mix stummschalten, das heißt rechts im Hauptfenster beim eigenen Namen die »Mute«-Taste betätigen.
  • Über die Gruppierungsfunktion (»GRP«) kann man Sängerinnen und Sänger zu Gruppen zusammenfassen. Beim Ziehen am Lautstärkeregler werden dann alle Stimmen dieser Gruppe proportional angepasst. Will man nachträglich eine einzelne Stimme in einer Gruppe ändern, kann man die Umschalttaste halten und ziehen. Man sollte wenigstens alle Sänger/-innen in die Gruppe 1 zuweisen, so dass man das Verhältnis Chor/Dirigent leicht ändern kann.
  • Sängerinnen und Sänger, die zu viele Störgeräusche erzeugen oder eine sehr hohe Latenz haben, sollte man stummschalten. Sie können dabei immer noch mitproben, da sie ja weiterhin alle anderen hören.
  • Jamulus speichert die Einstellungen für die Abmischung. In der nächsten Probe sollten die Lautstärkepegel und Stereobalance also noch da sein. Wenn man auf einen anderen Rechner wechseln will, kann man die Mixereinstellungen auch in eine Datei exportieren.

Musikalische Probenmethodik

Wenn man Jamulus alleine benutze, hat man kein Videosignal. Der/die Dirigent/-in muss also durch Ansagen und Klavierbegleitung mit dem Chor kommunizieren. Auch wenn man zusätzlich Video mit Jitsi verwendet, ist Singen nach Dirigat eher für einen Durchlauf am Ende eines Probenabschnittes sinnvoll. Es braucht gewöhnlich eine Weile, bis sich alle an den Probenmodus gewöhnt haben. Noch mehr als bei einer normalen Chorprobe ist wichtig, dass die Sängerinnen und Sänger sich beim Tempo am Dirigenten orientieren und nicht an den anderen, da der Chor durch die zusätzliche Latenz sonst immer langsamer wird. Der/die Dirigent/-in kann dem Chor helfen, indem er/sie mehr Impulse am Klavier gibt, als man es bei einer Präsenzprobe machen würde. Am Anfang kann man ein Metronom mitlaufen lassen, doch später kann es gut ohne funktionieren, wenn alle sich bemühen, das Tempo zu halben (siehe Demo), oder wenn man nach Video singt. Natürlich kann man bei einer solchen Probe schlecht an der Ausgewogenheit des Chorklangs arbeiten, doch viele andere Dinge wie Tempo, Phrasierung, Absprachen usw. funktionieren ganz gut. Auch neue Stücke kann man sehr gut so einstudieren.